11 Startprojekte zur Regionalkultur, Mobilität, Dorfgemeinschaft und Regionalvermarktung

Um die gemeinsame Bewerbung der 14 Städte und Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Palling, Petting, Taching am See, Tittmoning, Traunreut, Trostberg, Waging am See und Wonneberg aus dem Landkreis Traunstein sowie Feichten an der Alz, Halsbach, Kirchweidach und Tyrlaching aus dem Landkreis Altötting um das europäische LEADER-Förderprogramm greifbar zu machen und dem bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ein klares Signal zu senden, was 2015 und 2016 bereits angegangen werden soll, falls die Bewerbung der Region Traun-Alz-Salzach erfolgreich verläuft, stand am 10. November die LEADER-Projektwerkstatt beim Michelwirt in Palling als vorletzter wichtiger Schritt auf dem Programm, bevor am 24. November die von LEADER geforderte Gründung der Lokalen Aktionsgruppe als Regionalentwicklungsverein den Abschluss bildet.

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Als Ergebnis liegen nun 11 mögliche Startprojekte vor, die von den über 60 Bürgerinnen und Bürgern in drei Gruppen erarbeitet wurden, die entsprechend den drei großen Entwicklungszielen der Region gebildet wurden: „Förderung und Vernetzung von Kultur, Tourismus, Freizeit und Heimat“, „Den demographischen Wandel gestalten und die Daseinsvorsorge sichern“ und „Leben mit der Natur und Kulturlandschaft erhalten“. Letztendlich tragen die Startprojekte nämlich auch dazu bei, dass die gesteckten Entwicklungsziele bis zum Jahr 2020 – so lange dauert die aktuelle LEADER-Förderperiode – erreicht werden können.

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Zu den Startprojekten gehört eine „Vernetzung der Künstler-Ateliers in der Region und die Durchführung eines Tages des offenen Ateliers“, über die speziell eine Förderung und Vernetzung der Regionalkultur als Ziel formuliert wurde. In eine ähnliche Richtung läuft das „7.000-Eichenprojekt“ der Stadt Traunreut, mit der eine Arbeit des Künstlers Joseph Beuys im Stadtzentrum umgesetzt werden soll. Ein weiteres Starprojekt könnten die beim Zukunftsforum bereits vorgeschlagenen alten Fuß- bzw. Kirchwege sein, die es hier aufgrund der lockeren Siedlungsstruktur noch gibt. Ziel ist es, diese alten Wege aufzuwerten und zu vernetzten, um das Spazierengehen wieder stärker zu etablieren und damit letztendlich auch ein regional abgestimmtes Wegenetz in der Region zu schaffen.

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Ein großes Anliegen, auch die Veränderungen durch den demographischen Wandel gestalten zu können, ist den Teilnehmern die Verbesserung der Mobilität. Als mögliches Startprojekt wurde deshalb die Idee eingebracht, den bereits bestehenden Vario-Bus auf die Gemeinden im Landkreis Altötting auszudehnen. Ein zweiter Schwerpunkt ist diesem Bereich ist die Sicherung der Nahversorgung. Konkret sind damit die Dorfläden gemeint, die es in kleineren Gemeinden noch gibt. Ein Konzept soll hier klären, was von Seiten der Kommune und der Dorfgemeinschaft unternommen werden kann, damit die Strukturen auch in Zukunft erhalten bleiben können und die Dorfläden nicht schließen müssen. Ebenso wichtig ist die Erarbeitung gemeinsamer Strategien, wie man Treffpunkte zur Förderung der Dorfgemeinschaft erhalten oder wieder neu schaffen kann wie z.B. in Tylaching, wo ein leer stehendes Gasthaus zu einem KulturWirthaus umgebaut und wiederbelebt werden soll.

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Startprojekt im Bereich der Kulturlandschaft könnte der „Dialog Landwirtschaft – Verbraucher“, mit dem eine Verbesserung der gesellschaftlichen Akzeptanz und Wertschätzung von Alm-, Land- und Forstwirtschaft erzielt werden soll und konkrete Veranstaltungen wie beispielsweise eine Genusskonferenz, Infotafeln zur landwirtschaftlichen Produktionsweise oder Artikelserien in Presse und neuen Medien angedacht sind. Weitere Startprojekte sind ein „Grünflächen-Pflegekonzept“, eine Kooperation mit dem Regiogeld „Chiemgauer“, eine „Sammelzertifizierung für das Steuobst“ und der Aufbau eines „Regionalmarktes“ zu Regionalvermarktung über eine Genossenschaft, die in Kirchanschöring angesiedelt werden könnte.

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Gemeinsame Zukunftschancen nutzen

Eine professionelle Vermarktung der regionalen Produkte, um „dem Discounter etwas entgegensetzen zu können“ sowie ein neues Miteinander von Landwirtschaft und Verbrauchern, um die Natur- und Lebensgrundlagen für die Zukunft erhalten sowie die Lebensqualität im Sinne der Nachhaltigkeit steigern zu können, lauten einige der wichtigen Konsequenzen und ehrgeizigen Ziele für die weitere Entwicklung der Region Traun-Alz-Salzach, die beim LEADER-Zukunftsforum am 3. November gezogen wurden. Über 60 Teilnehmer kamen dazu im Salitersaal in Kirchanschöring zusammen, um sich mit zukünftigen Trends und Entwicklungen auseinanderzusetzen und damit einen weiteren wichtigen Baustein für die Lokalen Entwicklungsstrategie zu erarbeiten, mit der sich die 14 Städte und Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Palling, Petting, Taching am See, Tittmoning, Traunreut, Trostberg, Waging am See und Wonneberg aus dem Landkreis Traunstein sowie Feichten an der Alz, Halsbach, Kirchweidach und Tyrlaching aus dem Landkreis Altötting für das europäische LEADER-Förderprogramm 2014 bis 2020 bewerben wollen. “Wir wollen unterschiedliche Menschen aus der Region zusammenbringen und gemeinsam etwas mit LEADER bewegen“, fasste der Bürgermeister Hans-Jörg Birner am Ende der Veranstaltung eine der vielleicht wichtigsten Entwicklungschancen zusammen.

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Mit Blick auf die bald anstehende und von LEADER geforderten Gründung der Regionalentwicklungsvereins „Lokale Aktionsgruppe Traun-Alz-Salzach“, der für die Umsetzung der LEADER-Entwicklungsstrategie verantwortlich ist und aus kommunalen, wirtschaftlichen, sozialen, privaten und anderen Akteuren der Region bestehen muss, erhielt er dabei Unterstützung von den anwesenden Amtskollegen, an der Spitze vom Tittmoninger Bürgermeister Konrad Schupfner, die sich freuen würden, „wenn alle Bürgerinnen und Bürger, die bei den bisherigen LEADER-Diskussionsveranstaltungen so eifrig dabei waren, auch beim Verein Mitglied werden“. Um sich aktiv einzubringen und über die weitere Entwicklung der Region mitentscheiden zu können, wie er weiter ausführte. Er bat deshalb, sich den 24. November um 19:00 Uhr gut vorzumerken, wenn der Verein in Tittmoning gegründet werden soll.
Um die wichtigen und spannenden Fragen „Worauf müssen wir uns in Zukunft einstellen?“ und „Wo liegen für uns noch Chancen?“ beantworten zu können, stellte die Moderatorin Ulrike Lilienbecker ausgewählte Zukunftstrends vor. Etwa der Trend der “Individualisierung” der Gesellschaft, die sich an der Vielfalt der Interessen und Lebenswege insbesondere bei Jugendlichen zeige. Oder die “Alterung und der demographische Wandel”, die zunehmende Bedeutung der “Mobilität”, die Veränderungen in der modernen Arbeitswelt hin zu team- und projektbezogenen Arbeitsformen und das “Neue Lernen”, bei dem Bildung zur Schlüsselressource der kommenden Generationen wird. Neue Anregungen hingegen könnten ihrer Meinung nach der wachsende Einfluss der Frauen und die Auflösung der Geschlechterrollen sowie die “Neo-Ökologie” geben, was Nachhaltigkeit und Effizienz in allen Bereichen bedeute, aber auch ein stärker werdendes Umwelt- und Verantwortungsbewusstsein sowie eine neue Lust der Menschen auf Natur (Wandern, Naturparke, Naturprodukte). Das Thema Nachhaltigkeit war zu Beginn vom Bürgermeister bereits ausführlich anhand der Entwicklung seiner Gemeinde Kichanschöring vorgestellt und erläutert worden.

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Zukünftige Chancen werden im anhaltenden Bike-Trend gesehen. Die bestehenden Radwege in Region sollen dazu verknüpft werden und die Angebote für Elektrofahrräder weiter ausgebaut werden, war hier die Einschätzung. Die Verbesserung der Radwegsbeschilderung ist bereits in Vorbereitung, wie der Traunreuter Bürgermeister Klaus Ritter in diesem Zusammenhang informieren konnte. Weiteres Potential sehen die Diskussionsteilnehmer darin, die Stärken der Region und insbesondere die Alternativen gegenüber der Großstadt deutlicher nach außen zu tragen: „Hier ist die Wohnqualität noch bezahlbar, es gibt gute soziale Kontakte und eine Heimat“, lauteten die aufgezählten Argumente. Außerdem sei die Region nicht nur ländlich geprägt, sondern zeichne sich durch eine Mischung von Stadt und Land sowie ein gewisses städtisches und kulturelles Leben aus, was für junge Menschen neben dem Fachkräftebedarf ein wichtiger Grund sein könnte, hier zu bleiben und nicht weg zu ziehen, wurde erläutert. Um das vielfältige kulturelle Angebot den Tagesgästen, aber auch den Einheimischen näher zu bringen, wurde eine „Kultur-Flatrate“ ins Spiel gebracht.

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Als Chance, um für Senioren attraktiv zu sein, wurde der Trend zur Entschleunigung und der Rückkehr zur Langsamkeit identifiziert, mit dem immer mehr Menschen auf die wachsende Komplexität des modernen Lebens reagieren. Neben der Entwicklung von neuen Wohnformen wurde konkret dazu der Vorschlag eingebracht, das Zufußgehen wieder stärker zu etablieren und dafür die alten Fuß- und Kirchwege aufzuwerten und zu vernetzen, die es hier aufgrund der lockeren Siedlungsstruktur mit vielen Einzelhöfen noch gebe. Auch alternative Mobilitätsformen wie der Vario-Bus sollen dafür auf die Orte im Landkreis Altötting ausgeweitet werden. Als ein weiterer Aspekt wurde der Bezug zur Natur und das Naturerleben genannt, das insbesondere für Kinder und Jugendliche ein wichtige Rolle spiele und deshalb beispielsweises über Aktivitäten im Umweltbildungsbereich gefördert werden soll, war die Meinung. Ein Teilnehmer machte auf den medizinischen Nutzen von ursprünglichen Samen bzw. landwirtschaftlichen Produkten aufmerksam, ein Thema das bei der zukünftigen Agrar- und Konsumkultur als ein wichtiger Aspekt aufgenommen wurde. Weitere Konsequenzen liegen für die Teilnehmer im Flächensparen, beispielsweise durch gemeinsame Gewerbegebiete oder neue Nutzungen für alte Bauernhäuser sowie in der Kooperation mit Nachbarregionen. Konkret wurden dazu die Regionalwährung „Chiemgauer“ und die „Energiespar-Wege“ im Bereich Seeon als Ansätze für Kooperationen genannt.
Vor der Vereinsgründung steht nächste Woche noch die Projektwerkstatt auf dem Programm. Am Montag, den 10. November wollen die LEADER-Akteure dann um 19:30 Uhr im Michelwirt in Palling konkrete Startprojekte erarbeiten, die im nächsten und übernächsten Jahr bereits mit LEADER umgesetzt werden können.

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