Ideen, mit denen man was bewegen kann

Eine Steigerung des Bewusstseins für regionale und ökologische Produkte, eine Verbesserung der Mobilität insbesondere in den kleineren Orten sowie eine Präsentation der touristischen und kulturellen Angebote, die die 14 Städte und Gemeinden zwischen Traum, Als und Salzach bereits jetzt schon zu bieten haben, lauten einige der vielen guten Ideen und Ansätze, die beim Diskussionsforum am 15. Oktober beim „Mitterwirt“ in Halsbach formuliert wurden. Außerdem soll kurzfristig eine Erhebung zu den vorhandenen Bürger- und Nachbarschaftshilfen durchgeführt werden, um herauszufinden, wo es noch Handlungsbedarf gibt und auch, wo man vorbildliche Lösungen hat.

2014-10-15 TAS Diskussionsforum01_klein

Über 60 Bürgerinnen und Bürger setzten sich mit großem Engagement in drei Arbeitsgruppen mit den Stärken und Schwächen ihrer Region auseinander und erarbeiten damit einen wichtigen Baustein für die Lokale Entwicklungsstrategie, mit der sich die Region Traun-Alz-Salzach um das europäische LEADER-Förderprogramm bewerben will. „Es macht Spaß und ist hochinteressant, den Blick einmal über die eigenen Gemeindegrenzen zu richten und Ideen zu entwickeln, mit denen man was in der Region bewegen kann“, bekannte Bürgermeister Konrad Schupfner am Schluss nach der Präsentation der einzelnen Gruppenergebnisse. Die Hoffnung, dass es ein „guter Tag“ für die Gemeinden werde, die vom Bürgermeister Martin Poschner in seinem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung geäußert wurde, konnte somit erfüllt werden. Vor Beginn des Diskussionsforums bot er noch eine kleine Führung durch die vorbildlich erneuerte Traditionsgaststätte „Mitterwirt“ an, die sich inklusive der angebauten Stockschützen-, Sport und Schießhallen zu einem lebendigen Dorftreffpunkt für die kleinste Gemeinde im Landkreis Altötting entwickelt hat.

2014-10-15 TAS Diskussionsforum11_klein

Gute Bedingungen zum Wohnen und Arbeiten, die hohe Wohnqualität mit Platz und Garten am Haus sowie der hohe Freizeitwert sind die positiven Faktoren, die in der ersten Arbeitsgruppe zu den Themen „demographischer Wandel“ und „Siedlungsentwicklung“ zusammengetragen wurden. Für die Diskussionsgruppe zählt auch, dass die Region für junge Leute attraktiv und es eine Nähe zwischen Kommune und Bürger gibt. Als Schwäche könnte sich jedoch der anhaltende Flächenverbrauch und in Zukunft leer stehende Häuser entwickeln, wurde eingeschätzt. Auch würden die in einigen Orten die Dorfwirtschaften „wegbrechen“, weshalb als Ziel aufgenommen worden, wieder Treffpunkte in den Ortskernen einzurichten. Bei der Versorgung und im sozialen Bereich zählen die Vereine, der Zusammenhalt im Ort, die kirchlichen Angebote sowie die ärztliche Versorgung, die zur Zeit noch als gut eingeschätzt wird. Aber auch die Gefahr, dass zukünftig Hausärzte fehlen werden, wurde festgehalten. Probleme gebe es jedoch bei der Nahversorgung in den Dörfern und auch die Kommunikation zwischen Jung und Alt sei noch zu wenig ausgeprägt, war ein weiterer Punkt. Viele Ältere seien heutzutage aktiv und konnten vielfältige Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen. Um das weiter zu fördern, wurde eine Talent- bzw. Tauschbörse vorgeschlagen. Bedarf wird auch in neuen Wohnkonzepten für alte Menschen im Dorf gesehen.

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Als eigener Themenpunkt wurde in der Gruppe die „Mobilität“ behandelt. Hier fehlen Busverbindungen zwischen den Landkreisen Altötting und Traunstein und kleine Orte sind nicht an das ÖPNV-System angebunden, wurde gesagt. Als mögliches Projekt wurde deshalb ein Mobilitätskonzept vorgeschlagen, auch um bereits bestehende gute Konzepte wie etwa den „Variobus“ ausweiten oder die Mitfahrzentrale MiFaZ, die Elektro-Mobilität und die E-Bikes stärker einbinden zu können. Im Bereich Wirtschaft wurden das Chemie-Dreieck sowie die Grenznähe und die Kontakte zu Salzburg als Stärken genant. Zusammen mit Salzburg besteht die Europaregion EUREGIO und auch für das LEADER-Förderprogramm könnten Kooperationen mit Österreich angebahnt werden. Allerdings ziehe Salzburg als Konkurrent auch Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze ab. Ein weitere Stärke sehen die Teilnehmer in der Vielfalt des Handwerks. Weil den Betrieben jedoch der Nachwuchs ausgeht, will man die Grund- und Mittelschulen stärken und sich für eine Wertschätzung des Handwerks und für das Einkaufen vor Ort einsetzen. Auch die Etablierung einer kleinen Regionalmesse oder Handwerkerstrasse wurde ins Spiel gebracht.

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In den Bereichen „Umwelt, Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft“, mit denen sich die zweite Arbeitsgruppe beschäftigte, wurden die intakte Landschaft sowie die Naturschutz- und Landschaftspflegeverbände, die Bienenzucht-, Obst und Gartenbauvereine, die hier aktiv sind, als positiv gewertet. Negativ hingegen sei der auch hier zu verzeichnende Rückgang der Pflanzen- und Tierwelt und eine ausgeräumte Landschaft, die in Ansätzen bereits sichtbar werde. Immer mehr Grünland werde in Ackerfläche umgewandelt, wurde genauer erläutert und angeregt, die Ertragskraft beim Grünland zu steigern. Auch die Ackerraine und und Grünsteifen entlang der Straßen würden nicht mehr so wie früher gepflegt. Als zentrale Stellschraube, um eine nachhaltige Entwicklung fördern zu können, wurde der Verbraucher identifiziert, der Verantwortung trage und durch seinen Einkauf das Angebot beeinflussen könne. Um die Vermarktung regionaler Produkte zu forcieren und insbesondere mehr ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe gewinnen zu können, wurde eine Kooperation zwischen Erzeuger und Verbraucher vorgeschlagen. Auch gelte es, konkrete Chancen für Öko-Betriebe aufzuzeigen und Verträge mit größeren Abnehmern wie Kliniken, Betriebskantinen oder Seniorenheimen zu schließen. In dieser Gruppe wurde ebenfalls das Problem angesprochen, dass die Nahversorgung wegbreche. Für kleinere Landwirten wirke sich das negativ aus, weil damit auch potentielle Absatzmöglichkeiten verschwinden. Wichtig ist den Teilnehmern deshalb, regionale Wirtschaftskreisläufe aufzubauen und zu entwickeln.

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Bei den Themen „Klimaschutz“ und „Energie“, die ebenfalls von der zweiten Gruppe aufgegriffen wurden, sollen die Klimaschutzkonzepte aufgegriffen und umgesetzt werden, die es in vielen Gemeinden bereits gibt. Zukünftige Ansätze werden in Alternativen zum Maisanbau, im eigenen Eiweißanbau als Sojaersatz und in Wärmenutzungskonzepten gesehen, die den Wirkungsgrad der vorhandenen Biogasanlagen erhöhen helfen. Notwendig sind nach Meinung der Anwesenden noch Maßnahmen zum Hochwasserschutz, vor allem bei den Flüssen Alz und Inn. Aufgrund des Waldanteils der Region könnte die Holznutzung als Baustoff und Energieträger verstärkt werden, war ein weiterer Punkt. Fördern möchte man auch die lokale Energieerzeugung sowie die Radl-Tankstellen, die beispielsweise rund um den Waginger See bereits nutzbar und für touristische Gäste interessant sind.

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In den Themenfeldern „Tourismus, Freizeit und Kultur“ wurden von der dritten Arbeitsgruppe als Stärken die Flüsse und Gewässer, die Naturerlebnisse und Flurdenkmäler wie beispielsweise Bäume und Pestkreuze, die Urlaubsbauernhöfe und die „Inn-Salzach-Architektur“ aufgegriffen. Schwächen werden darin gesehen, dass es nur relativ wenig Übernachtungsangebote und auch noch keine Tourismuskonzept für die Region gebe. Als Vorschlag könnte zukünftig ein Wegenetz zu den landschaftlichen Attraktionen, Flurdenkmälern, Kirchen und Kapellen inklusive Gastronomie aufgebaut werden. Auch „Übernachten im Heu“, Geo-Caching und eine Kulturreiseroute unter der Tourismusmarke „Rokoko-Route“ werden als sinnvoll eingeschätzt.

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Im Freizeitbereich fehlen Angebote für Senioren und solche für Kinder und Jugendliche, zum Teil fehlen auch Sportanlagen, wurde von der Arbeitsgruppe ergänzt. Die Ideen für zukünftige Angebote lauten hier eine Indoor-Spielscheune, ein „cooles“ Angebot für Jugendliche, eine Motorcross-Anlage und ein Kletter- und Hochseilgarten. Für die Senioren werden überregionale Treffen vorgeschlagen. Eine wichtige Rolle spielen auch die „starken und qualitativen“ Vereinen und dass die Dorfgemeinschaft stärker gefördert wird, auch durch die schon benannte Dorfwirtschaft, die in einigen Orten bereits fehlen. Manchen Vereinen fehlen auch die entsprechenden Räumlichkeiten bzw. in den Vereinsheimen fehle der Platz, wurde deutlich gemacht. Nach Meinung der Gruppe wird der kulturelle Bereich stark durch den „Rupertiwinkel“ geprägt, der aber nicht alle Gemeinden umfasst. Ein gemeinsamer Museumsführer und eine temporäre Ateliergemeinschaft „Tag des offenen Ateliers“ lauteten weitere Vorschläge zur Kulturförderung. Auch Fahrdienste für überregionale Veranstaltungen könnten nützlich sein.

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