Gemeinsame Zukunftschancen nutzen

Eine professionelle Vermarktung der regionalen Produkte, um „dem Discounter etwas entgegensetzen zu können“ sowie ein neues Miteinander von Landwirtschaft und Verbrauchern, um die Natur- und Lebensgrundlagen für die Zukunft erhalten sowie die Lebensqualität im Sinne der Nachhaltigkeit steigern zu können, lauten einige der wichtigen Konsequenzen und ehrgeizigen Ziele für die weitere Entwicklung der Region Traun-Alz-Salzach, die beim LEADER-Zukunftsforum am 3. November gezogen wurden. Über 60 Teilnehmer kamen dazu im Salitersaal in Kirchanschöring zusammen, um sich mit zukünftigen Trends und Entwicklungen auseinanderzusetzen und damit einen weiteren wichtigen Baustein für die Lokalen Entwicklungsstrategie zu erarbeiten, mit der sich die 14 Städte und Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Palling, Petting, Taching am See, Tittmoning, Traunreut, Trostberg, Waging am See und Wonneberg aus dem Landkreis Traunstein sowie Feichten an der Alz, Halsbach, Kirchweidach und Tyrlaching aus dem Landkreis Altötting für das europäische LEADER-Förderprogramm 2014 bis 2020 bewerben wollen. “Wir wollen unterschiedliche Menschen aus der Region zusammenbringen und gemeinsam etwas mit LEADER bewegen“, fasste der Bürgermeister Hans-Jörg Birner am Ende der Veranstaltung eine der vielleicht wichtigsten Entwicklungschancen zusammen.

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Mit Blick auf die bald anstehende und von LEADER geforderten Gründung der Regionalentwicklungsvereins „Lokale Aktionsgruppe Traun-Alz-Salzach“, der für die Umsetzung der LEADER-Entwicklungsstrategie verantwortlich ist und aus kommunalen, wirtschaftlichen, sozialen, privaten und anderen Akteuren der Region bestehen muss, erhielt er dabei Unterstützung von den anwesenden Amtskollegen, an der Spitze vom Tittmoninger Bürgermeister Konrad Schupfner, die sich freuen würden, „wenn alle Bürgerinnen und Bürger, die bei den bisherigen LEADER-Diskussionsveranstaltungen so eifrig dabei waren, auch beim Verein Mitglied werden“. Um sich aktiv einzubringen und über die weitere Entwicklung der Region mitentscheiden zu können, wie er weiter ausführte. Er bat deshalb, sich den 24. November um 19:00 Uhr gut vorzumerken, wenn der Verein in Tittmoning gegründet werden soll.
Um die wichtigen und spannenden Fragen „Worauf müssen wir uns in Zukunft einstellen?“ und „Wo liegen für uns noch Chancen?“ beantworten zu können, stellte die Moderatorin Ulrike Lilienbecker ausgewählte Zukunftstrends vor. Etwa der Trend der “Individualisierung” der Gesellschaft, die sich an der Vielfalt der Interessen und Lebenswege insbesondere bei Jugendlichen zeige. Oder die “Alterung und der demographische Wandel”, die zunehmende Bedeutung der “Mobilität”, die Veränderungen in der modernen Arbeitswelt hin zu team- und projektbezogenen Arbeitsformen und das “Neue Lernen”, bei dem Bildung zur Schlüsselressource der kommenden Generationen wird. Neue Anregungen hingegen könnten ihrer Meinung nach der wachsende Einfluss der Frauen und die Auflösung der Geschlechterrollen sowie die “Neo-Ökologie” geben, was Nachhaltigkeit und Effizienz in allen Bereichen bedeute, aber auch ein stärker werdendes Umwelt- und Verantwortungsbewusstsein sowie eine neue Lust der Menschen auf Natur (Wandern, Naturparke, Naturprodukte). Das Thema Nachhaltigkeit war zu Beginn vom Bürgermeister bereits ausführlich anhand der Entwicklung seiner Gemeinde Kichanschöring vorgestellt und erläutert worden.

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Zukünftige Chancen werden im anhaltenden Bike-Trend gesehen. Die bestehenden Radwege in Region sollen dazu verknüpft werden und die Angebote für Elektrofahrräder weiter ausgebaut werden, war hier die Einschätzung. Die Verbesserung der Radwegsbeschilderung ist bereits in Vorbereitung, wie der Traunreuter Bürgermeister Klaus Ritter in diesem Zusammenhang informieren konnte. Weiteres Potential sehen die Diskussionsteilnehmer darin, die Stärken der Region und insbesondere die Alternativen gegenüber der Großstadt deutlicher nach außen zu tragen: „Hier ist die Wohnqualität noch bezahlbar, es gibt gute soziale Kontakte und eine Heimat“, lauteten die aufgezählten Argumente. Außerdem sei die Region nicht nur ländlich geprägt, sondern zeichne sich durch eine Mischung von Stadt und Land sowie ein gewisses städtisches und kulturelles Leben aus, was für junge Menschen neben dem Fachkräftebedarf ein wichtiger Grund sein könnte, hier zu bleiben und nicht weg zu ziehen, wurde erläutert. Um das vielfältige kulturelle Angebot den Tagesgästen, aber auch den Einheimischen näher zu bringen, wurde eine „Kultur-Flatrate“ ins Spiel gebracht.

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Als Chance, um für Senioren attraktiv zu sein, wurde der Trend zur Entschleunigung und der Rückkehr zur Langsamkeit identifiziert, mit dem immer mehr Menschen auf die wachsende Komplexität des modernen Lebens reagieren. Neben der Entwicklung von neuen Wohnformen wurde konkret dazu der Vorschlag eingebracht, das Zufußgehen wieder stärker zu etablieren und dafür die alten Fuß- und Kirchwege aufzuwerten und zu vernetzen, die es hier aufgrund der lockeren Siedlungsstruktur mit vielen Einzelhöfen noch gebe. Auch alternative Mobilitätsformen wie der Vario-Bus sollen dafür auf die Orte im Landkreis Altötting ausgeweitet werden. Als ein weiterer Aspekt wurde der Bezug zur Natur und das Naturerleben genannt, das insbesondere für Kinder und Jugendliche ein wichtige Rolle spiele und deshalb beispielsweises über Aktivitäten im Umweltbildungsbereich gefördert werden soll, war die Meinung. Ein Teilnehmer machte auf den medizinischen Nutzen von ursprünglichen Samen bzw. landwirtschaftlichen Produkten aufmerksam, ein Thema das bei der zukünftigen Agrar- und Konsumkultur als ein wichtiger Aspekt aufgenommen wurde. Weitere Konsequenzen liegen für die Teilnehmer im Flächensparen, beispielsweise durch gemeinsame Gewerbegebiete oder neue Nutzungen für alte Bauernhäuser sowie in der Kooperation mit Nachbarregionen. Konkret wurden dazu die Regionalwährung „Chiemgauer“ und die „Energiespar-Wege“ im Bereich Seeon als Ansätze für Kooperationen genannt.
Vor der Vereinsgründung steht nächste Woche noch die Projektwerkstatt auf dem Programm. Am Montag, den 10. November wollen die LEADER-Akteure dann um 19:30 Uhr im Michelwirt in Palling konkrete Startprojekte erarbeiten, die im nächsten und übernächsten Jahr bereits mit LEADER umgesetzt werden können.

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